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Projekt EURIADE
> Projekt EURIADE - Warum ich Interesse daran habe ("Bewerbungsschreiben")
Als uns, genauer gesagt die Ethikgruppe der damaligen 6.B-Klasse, Prof. Alfred Wiedl das erste Mal über das Projekt "EURIADE" informierte, war noch vieles unklar. Um ehrlich zu sein war mein Interesse dafür zwar gegeben, aber sicher nicht besonders groß, konnten wir uns das Ganze doch bestenfalls als eine kurze Veranstaltung in Holland die etwas mit Philosophie, Politikern und einem gewissen Martin Buber zu tun hat vorstellen. Tatsächlich war damals noch vieles unklar: So hat zum Beispiel auch unser Ethikprofessor angenommen, dass diese Aktivität wie die erste dieser Art nur zwei Tage dauern würde. Auch war die Teilnahme ursprünglich nur für unsere Ethikgruppe vorgesehen, wurde dann schnell auf die ganze Klasse und schließlich auf beiden jetzigen siebten Klassen ausgeweitet. Eine meiner Meinung nach durchaus vernünftige und faire Entscheidung.
Inzwischen hat längst ein neues Schuljahr begonnen und so konnten alle betreffenden Schüler umfangreich informiert werden. Vorbereitungsstunden innerhalb des Ethik- bzw. Religionsunterrichts sowie der Besuch des Organisators Werner Janssen haben entscheidend dazu beigetragen. Auch haben sich inzwischen doch einige Schülerinnen und Schüler aus beiden Klassen gefunden, die ernstliches Interesse zeigen, hier auch tatsächlich mitzumachen und das mehr als nur "zum Spaß" bzw. um einmal eine Woche dem Schulalltag entfliehen und kostenlos ins Ausland fahren zu können. Ganz im Gegenteil denke ich, dass sich jeder Einzelne für das Projekt engagieren wird und im Nachhinein auch ohne zu lügen behaupten kann, dass die Teilnahme etwas gebracht habe.
Überhaupt fügt sich auch dieses besondere Projekt gut in die Reihe von zahlreichen anderen außergewöhnlichen Aktivitäten an denen sich das BG u. BRG Knittelfeld schon beteiligt hat. Als zusätzlicher Vorteil ist hier aber sicher die Tatsache anzusehen, dass die Teilnahme abgesehen von Taschengeld nichts kostet, was (leider) bei Weitem die Ausnahme darstellt.
Dass es, da höchstwahrscheinlich es doch mehr Kandidaten und Kandidatinnen geben wird als dann schlussendlich mitfahren können, ein Auswahlverfahren geben muss ist auch klar. Gerade wegen dem besonderen Thema dieses Projekts kann dieses auch nicht z.B. auf Noten basieren - denn welche Note soll schon verglichen werden und, vor allem, was bitteschön würden Noten denn in einem solchen Zusammenhang aussagen? Sicher eher wenig über Eigenschaften wie Kommunikationsbereitschaft oder Begeisterungsfähigkeit für eine einzigartige Sache.
Mich persönlich reizt vor allem die Chance, auf andere Menschen zu treffen, mit denen man andernfalls nie die Gelegenheit hätte zusammenzukommen. Durch das Zusammentreffen ergibt sich als nächste logische Schritte die Kommunikation und der Dialog, die gerade wenn man dabei tatsächlich die Philosophie Martin Bubers anwendet sehr interessant werden können. Das betrifft sowohl Schülerinnen und Schüler aus anderen Ländern als auch Politiker wie zum Beispiel den ehemaligen Bundespräsidenten der BRD, Richard von Weizsäcker, dem ja im Rahmen der Veranstaltung die Martin-Buber-Plakette verliehen werden soll. Herr Weizsäcker wird dieses Plakette sicher nicht grundlos verliehen bekommen, sondern vielmehr als Würdigung seiner besonderen Leistungen, z.B. jenen für ein vereintes Europa oder seinem Einsatz für die ärmeren und benachteiligten Länder dieser Erde. Daher ist es eine besondere Ehre, nicht mit irgend einem Politiker, sondern mit einem derartig bedeutenden zusammentreffen zu dürfen. Wenn sich dann auch Gelegenheit für wirklich intensive Gespräche der einzelnen Teilnehmer mit den Politikern ergibt ist das etwas, auf das man sich jetzt schon freuen kann und an das man sich noch lange zurückerinnern wird.
Ähnlich wie es schon bei meiner Teilnahme an THIMUN, der Simulation der Vereinten Nationen in Den Haag war, erwarte ich mir auch hier, und ganz besonders hier, Erfahrungen die man andernfalls niemals machen könnte, denn wie viele junge Menschen erhalten schon die Chance bei einem solch einzigartigen Projekt mitzumachen? Die Teilnehmerzahl liegt jährlich unter der 100-Personen-Marke...
Auch die Philosophie Martin Bubers, die uns vorerst, zumindest in der sechsten Klasse, noch völlig unverständlich war, hat ihren Reiz: Obwohl sie durchaus auch kritisch betrachte (denn jede Philosophie hat ihre Schwächen) ist sie grundsätzlich äußerst interessant. Anstatt sich mit mehr oder weniger interessanten theoretischen Fragestellungen zu befassen, kann die Philosophie Bubers gleich direkt im Alltag angewandt werden, was sie von vielen anderen Betrachtungsweisen unterscheidet. Gerade in einem Europa, das ganz im Sinne Richard von Weizsäckers immer mehr zusammenwächst, ist der Dialog besonders wichtig, ja geradezu essentiell.
Dass die Teilnahme an einem Projekt, das mit einer doch schon längeren Abwesenheit von der Schule einhergeht, immer ein erhöhter Aufwand nötig ist, ist mir natürlich bewusst. Dennoch bin ich der Meinung, dass es durchaus zu schaffen ist, sowohl das Nachlernen des versäumten Stoffes als auch die besonders wichtige Vorbereitung auf die eigentliche Aktivität unter einen Hut zu bringen. Diese wird logischerweise viel leichter wenn nicht jeder alles machen muss, sondern die einzelnen Teilnehmerinnen und Teilnehmer sich nur die wichtigsten Punkte alleine erarbeiten und auf die Details durch Gruppenarbeiten und anschließendes Mitteilen der Ergebnisse eingegangen wird, wie es ja im Ethikunterricht schon geschehen ist.
Natürlich weiß ich, dass diese eine Woche in der Euregio Charlemagne keine Wunder bewirken kann, weshalb ich dann wohl auch nicht als anderer Mensch zurück kommen werde. So etwas zu behaupten wäre schlicht und einfach Unfug. Und dennoch wird es eine einzigartige, eine großartige Erfahrung gewesen sein, etwas gemacht zu haben, dass einem ganz persönlich etwas bringt und das sicher alles andere als üblich ist. Sollte daher ich zu jenen zählen die tatsächlich mitfahren können - ich würde mich schon sehr darauf freuen!
Christian Leitold, am 28. Oktober 2003
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